Silvester ist für die einen ein fröhliches „Wir lassen es knallen“, für andere eine Nacht voller Angst.

Angst ist nicht immer rational. Wer die Bombennächte mitgemacht hat reagiert emotional auf das Geballere in der Silvesternacht. Die Kriegskinder von einst sind jetzt Rentner, die Ängste von damals kommen aber gerade in emotional stressigen Zeiten viel öfters wieder hoch, und damit sind es nicht nur die Tiere, die in dieser Nacht schlecht schlafen, sondern auch viele Menschen.

Eine sehr spannende Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Angst und Schlaflosigkeit. Forscher sagen sogar: Wer wenig schläft, reagiert emotionaler und ängstlicher. Das zeigt die neue Studie von US-amerikanischen Neurowissenschaftlern der University of California in Berkeley.

Angst essen Seele auf, fällt mir spontan dazu ein. Das ist ein deutsches Melodram des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder aus den 70ern.

Schlafmangel kann ängstlich machen

Schlaf ist Balsam für die Seele, laut William Shakespeare. Ich kenne Menschen, die versuchen zu schlafen, wenn sie die Angst wie eine Flutwelle auf sich zu rollen sehen.

Doch gehen wir einen Schritt zurück und gucken, was macht Schlaf bzw. was ändert sich, wenn wir erholt und ausgeschlafen erwachen. Laut den Studien (kennst du sicher auch von dir) trägt eine gute, erholsame Nacht dazu bei, Emotionen zu stabilisieren und uns zu beruhigen. Eine Nacht darüber schlafen, oder die Welt sieht morgen schon wieder ganz anders aus, sind nicht nur Sprüche aus Omas Zauberkasten, sondern sie haben auch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit in sich versteckt.

Schlaflose Nacht

Eine einzige schlaflose Nacht dagegen führt mitunter schon dazu, dass Angst und emotionaler Stress verstärkt werden – und zwar um bis zu 30 Prozent. Genau das sagt diese Studie der University of California in Berkeley. Ich sage es jetzt mal anders – wir machen aus einer Mücke einen Elefanten und dieser Elefant ist dann auch noch im Porzellanladen.

Was hat die Angst mit den Schlafstadien zu tun?

Diese Studien habe ich dieses Jahr in Hamburg auf dem Kongress der deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin kennen gelernt. Das Bild wird klarer je mehr die Wissenschaft über die Neuronalen Netze und die Neurotransmitter im Schlaf, beziehungsweise in den einzelnen Schlafstadien lernt. Die Forscher haben neue Funktionen des Tiefschlafs identifiziert, die Ängstlichkeit über Nacht im Schlaf vermindern. Tiefschlaf scheint demnach ein natürlicher Hemmer für Angst und Unruhe zu sein. Schlaf kann demnach ein natürliches Mittel gegen Angststörungen sein. Genau das konnte ich in den letzten 20 Jahren immer wieder bei Kindern und jungen Menschen beobachten. Schlaf als Schutz vor emotionaler Überlastung. Schlaf- und Angststörungen nehmen leider weltweit zu. Schlaf kann hier ein Segen sein, wenn wir ihn wieder öfter zulassen.

NREM Schlaf und die Angst

Schlaf, der am stärksten dazu beiträgt, Angst und Anspannung zu mindern, ist der NREM-Schlaf. Dieses Wort kommt von non-rapid eye movement, das heist hier gibt es keine Augenbewegungen. Diese Augenbewegungen gibt es im REM Schlaf – rapid eye movement, das ist der Traumschlaf.

Der NREM Schlaf kennzeichnet sich durch massiv verlangsame Hirnwellenaktivität, eine Reduzierung der Körpertemperatur, des Blutdrucks und der Pulsfrequenz. Genau dieses Schlafstadium scheint in dieser Studie dafür verantwortlich zu sein, dass es uns hilft, emotionalen Stress zu reduzieren.

NREM-Schlaf dämpft die emotionale Reaktionsfähigkeit

Wie war das Studien Design? Für ihre Studie haben die Wissenschaftler der University of California in Berkeley die Gehirnaktivität von jungen Erwachsenen im Labor gemessen, während diese emotional aufwühlende Videoclips schauten. Einmal nach einer ganzen Nacht Schlaf und abermals nach einer eher schlaflosen Nacht. Danach wurde der Angstlevel der Probanden abgefragt. Dabei zeigte sich: Nach der schlaflosen Nacht war der sogenannte mediale präfrontale Kortex quasi inaktiv, andere emotionale Bereiche des Gehirns aber überaktiv. Der mediale präfrontale Kortex – ein Teil des Frontallappens der Großhirnrinde, der an der Stirnseite des Gehirns liegt – ist normalerweise dafür zuständig, unsere Ängste in Schach zu halten. Die Forscher wiederholten die Ergebnisse im Labor mit anderen Probanden, zudem führten sie eine Online-Studie durch. Das Ergebnis blieb das gleiche: Die Menge und Qualität des Schlafs sagt voraus, wie ängstlich sich jemand am folgenden Tag fühlen wird. Schon ganz leichte Veränderungen des Schlafs hatten Einfluss auf die Angstgefühle und Unruhe der Studienteilnehmer.

Ohne Schlaf drückt das Gehirn zu stark auf das „emotionale Gaspedal“. Nach einer Nacht mit viel Schlaf dagegen sank das Angstlevel bei den Probanden signifikant ab – vor allem dann, wenn die Schlafenden mehr NREM-Phasen erlebten, in denen die Hirnwellenaktivität ganz verlangsamt war. Der Tiefschlaf hat in diesen Fällen die präfrontalen Mechanismen des Gehirns erneuert, die unsere Emotionen regulieren. Das dämpft die emotionale und physiologische Reaktionsfähigkeit und verhindert eine Eskalation von Angstzuständen.

Cumulu Kissen mit Kind

Das Wolken Kissen ist durch seine Form ein wunderberer Schlafbegleiter

Schafen wir jede Nacht gleich?

Schlaf kann bei Ängsten, Einsamkeit, Überlastung und anderen psychischen Problemen entscheidend zur Heilung beitragen. Die Literatur, bis hin zur Bibel ist hier voller Beispiele. Eine gute Nachtruhe nimmt die Emotionalität raus, wir sind gelassener und ausgeglichener am nächsten Tag.

Umkehrschluss: Nach einer durchgemachten Nacht zum Beispiel Silvester oder wenn die Länge des Schlafes dauerhaft verkürzt werden, wie bei jungen Eltern und pflegenden Angehörigen, sind wir Menschen emotionaler, angstgetriebener und weniger dazu in der Lage, rationale Entscheidungen zu treffen.

Die Forscher, die den NREM-Schlaf als wichtig für die Emotionsverarbeitung identifiziert haben, haben auch gezeigt, dass jedes Schlafstadium wichtig ist und wir noch lange nicht alle Geheimnisse des Schlafes kennen. Bislang ging man eher davon aus, dass dafür der REM-Schlaf, auch Traumschlaf genant, hauptverantwortlich ist. Dass der Tiefschlaf für unsere Gelassenheit wichtig ist, das ist eher neu und beruhig sicher alle, die zum Beispiel im Schlaflabor gesagt bekommen, dass sie wenig REM Schlaf aber sehr viel NREM Schlaf haben. Nicht jede Nacht ist gleich und nicht in jeder Nacht haben wir gleich viel REM oder NREM Schlaf, da ist es doch gut zu wissen, dass jede Schlafphase unsere Erholung und Regeneration auf ihre Weise fördert.

Was hilft Dir bei Schlafstörungen?

Tiefer, erholsamer und guter Schlaf hilft bei Angststörungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen.

Doch genau hier beißt sich die „Maus in den Schwanz“. Menschen mit diesen Störungen haben ja gerade oft das Thema, dass sie einfach nicht gut einschlafen und tief schlafen können. Es ist hier mega wichtig, von Beginn an die Schlafstörung gezielt mitzubehandeln. Leider wird das oft übersehen. Die beste Therapie, die ich hier kenne ist die Verhaltens Therapie und hier die positive Gesprächstherapie mit einer schrittweisen Änderung der Schlaf und Lebensgewohnheiten.

Schlafmittel sind hier nicht zu empfehlen. Schlafmedikamente verringern unseren Tiefschlaf, der REM-Schlaf wird meistens auch unterdrückt und Menschen gewöhnen sich schnell an die Schlafmittel. Setzt man ein Schlafmittel wieder ab, schlafen viele ohne eine Verhaltensänderung noch schlechter als zuvor.

Schlafen mit Cumulu Kissen und Schlafmaske

Was kannst du tun um besser zu schlafen?

Wie gelingt es dir nun, tief zu schlafen, die wichtigen Schlafphasen zu durchleben und erholt aufzuwachen?

Hier gibt es eine gute Nachricht: Der Körper macht das ganz von alleine wenn du ihn lässt.

  • Gehe entspannt ins Bett
  • Ganz wichtig, damit das funktioniert, ist Anspannung und Stress im Alltag zu reduzieren.
  • Helfen könnte zudem, das Handy eine Stunde vor dem Zubettgehen auszumachen und sich sozusagen aus der digitalen Welt abzumelden und in der realen Welt anzumelden. Mehr Tipps findest du hier oder du bestellst dir unser super neues kleines Schlafbuch mit Tipps und vielen Aktionspunkten für deinen Schlaf.

Wieviel Schlaf brauche ich?

Eine beliebte Frage bei jedem meiner Workshops. Wie viel Schlaf ist genug, wie viel ist zu wenig? Keine einfache Frage, auf die es nur eine richtige Antwort gibt. Das Schlafbedürfnis bzw. die Länge des Schlafes ist so individuell verteilt wie Schuhgrößen in unserer Gesellschaft. Es gibt geborene Kurzschläfer ebenso wie Langschläfer, die zehn Stunden Schlaf pro Nacht brauchen, um fit und ausgeruht zu sein. Die Präferenz Kurzschläfer oder Langschläfer ist genauso genetisch determiniert wie der Chronotyp. Frage dich doch mal selbst, nach wie vielen Stunden Schlaf fühle ich mich ausgeruht und erholt?

Foto von Ute Weidinger -Vollmond am Kanal mit Nürnberger Fernsehturm – der beinahe Kuss 😉

So, jetzt kommt gut ins neue Jahr und vielleicht denkt Ihr auch an die, die in dieser Nacht etwas mehr Angst haben als es sich für ein fröhliches Fest gehört.