Was ist Schichtarbeit?

Schichtarbeit ist definiert als ein Arbeitsrythmus der aus der Norm fällt. Die Norm ist hier die Arbeit von 9 – 17 Uhr. Schichtarbeit ist zum Beispiel die Schicht die Nachmittags beginnt und ungefähr um Mitternacht endet. Bei uns oft als Spätschicht in USA als „swing shift“ bezeichnet oder die Nachtschicht die am späten Abend beginnt und in den frühen Morgenstunden endet. In Englisch sprachigen Ländern oft als „Night oder graveyard shifts“ bezeichnet. Dazwischen gibt es viele Möglichkeiten und es sind nicht immer 8 Stunden sondern im Gesundheitsbereich auch manchmal 12 Stunden Schichten. Die meisten Schichtarbeiter folgen der gleichen Schicht jeden Tag, Gleichschicht Model „same shift patten“ oder auch Wechselschicht „multiple shift pattern“.

Bis in die 1970 Jahre war es für Frauen tabu in Schicht zu arbeiten. Seit dieser Zeit wächst der Bereich der Schichtarbeit ständig und in allen Bereichen. Nicht nur in der Fabrikation, dem Gastgewerbe, dem Gesundheits- und Rettungswesen sondern auch im Verkauf wächst die Zahl der Schichtarbeiter.

Schichtarbeit ist einer der größten Schlafkiller. Doch ohne Schichtarbeit bleibt der Kühlschrank leer.

Die innere Uhr

Menschen, die in Wechselschicht arbeiten, leben und arbeiten gegen ihre innere biologische Uhr. Die innere Uhr arbeitet nach dem Circadianem Rhythmus. Der sogenannte „Circadian rhythm“ ist im Gehirn verankert, im Suprachiasmatic Nucleus (SCN) einer Gehirnregion in dem Hypothalamus. Der SCN kontrolliert verschiedene homonelle Prozesse in unserem gesamten Körper, einschließlich der Produktion des Schlafhormones Melatonin, ein Hormon das den Schlafimpuls anstößt. Wir fühlen uns müde. Diese innere Biologische Uhr teilt unser Leben in eine biologische Nacht und einen biologischen Tag ein.

Das Schichtarbeitersyndrom

Das Schichtarbeitersyndrom trifft Menschen in vielen Berufen. Hierzu zählen u. a. Ärzte, Pflegepersonal, Piloten, fliegendes Personal, Mitarbeiter in der Montan- und Automobilindustrie, Lokführer, Berufskraftfahrer, Feuerwehr, Polizei, Menschen auf Bohrinseln und in Kernkraftwerken, aber auch Straßenarbeiter im Winterdienst.

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf die Schichtarbeit. Mehr zu diesem Thema, wenn hier jemand tiefer in das Thema Schichtarbeitersyndrom einsteigen will finden Sie zum Beispiel über die Medizinsche Unibücherei hier der Link.

Die sogenannten Eulen, d.h. Menschen, die erst spät wach werden und die Nacht zum Tag machen können, sind fitter im Spät- oder im Nachtdienst als früh um 6:00 Uhr zur Morgenschicht. Der Chronotyp Lerche, die sogenannten Frühaufsteher, hat das Ende seiner Leistungskurve spätestens um 20:00 Uhr erreicht. In Familien führen die Konfrontationen zwischen der Lerche, die um 6:00 Uhr trällernd aus dem Bett springt und der Eule, die erst ab 10:00 Uhr den Duft von Kaffee verträgt regelmäßig zu Verstimmungen.

Zum Thema Verstimmungen, leichte Depression und Licht am Morgen gibt es zum Beispiel die Studie: „The effect of bright light therapy on sleep and circadian rhythms in renal transplant recipients: a pilot randomized,multicentre wait-list controlled tria“ der Uni Zürich wo Sie noch mehr Informationen finden

Schichtarbeit im höheren Lebensalter,

ist für Mitarbeiter aufgrund der längeren Regenerationsphase belastender als für junge Menschen. Die Anzahl der Menschen, die nach einem Schichtplan arbeiten müssen hat sich laut Statistik seit den 1970iger Jahren verdoppelt.

Was sagt die Schlafmedizin zur Schichtarbeit?

Seit Jahren werden umfangreiche Forschungen durchgeführt, wie Schichtarbeit verträglich gestaltet werden kann. Hier gibt es widersprüchliche Ergebnisse, die sich allerdings in einem Punkt einig sind. Testen Sie Ihren Chronotypen und arbeiten Sie, wann immer es geht, nach diesem.

Fragebogen von Till Rönneberg

Eine Gruppe von Forschern plädiert für das Abschaffen der Wechselschichten, d.h. Menschen würden wieder dauerhaft Nachtschicht arbeiten. So wie zum Beispiel früher Krankenschwestern, die ausschließlich Nachtdienst gearbeitet haben. Damit entfällt die ständige Umstellung des Körpers. Leider wird es allerdings noch schwieriger Sozialkontakte zu pflegen.

Eine andere Gruppe von Wissenschaftlern plädiert für eine Wechselschicht mit nicht länger als dreitägigen Nachtschichtblock mit anschließen zwei Tagen frei. Der Wechselschichtplan sollte vorwärts rotierend sein und verlässlich. Je mehr Mitarbeiter, sich in die Dienstplangestaltung einbezogen fühlen, desto höher die Leistungsbereitschaft und die Motivation.

Eine kleine Studie zeigt, dass Mitarbeiter, die eine verlässliche Dienstplangestaltung mit einer hohen Teambeteiligung erleben dürfen sogar bessere Herz-Kreislaufwerte zeigten. Um Schichtarbeit besser zu gestalten gibt es natürlich auch immer wieder neue Erkenntnisse und Tipps.

Falls Sie Interesse an weiterführenden Informationen haben, können Sie mich gern für einen Vortrag buchen.

Hier 2  praktische Tipps zum Thema Schichtarbeit und Schlaf

1. Nachtschichtarbeiter sollten immer, auch an arbeitsfreien Tagen und dem Wochenende zu festen Zeiten schlafen gehen und aufstehen. Wird an freien Tagen der Schlaf vom Tag auf die Nacht verschoben, fällt anschließend die Umgewöhnung an den nächsten Arbeitstag erfahrungsgemäß sehr schwer.
2. Wechselschichtarbeiter können sich die Anpassung an die neue Schicht oft wesentlich erleichtern, indem sie in den letzten Tagen der jeweiligen Schicht ihre Schlaf bzw. Wachzeiten um 1 bis zwei Stunden nach vorne verschieben. Auf diese Weise kann sich der Körper auf den veränderten Rhythmus der Nachtschicht einstellen. Dieser Tip ist auch für Fernreisen und bei der Zeitumstellung hilfreich.
Allerdings läßt die familiäre oder soziale Situation solche Zeitverschiebungen nicht immer zu. Zum Erfolg führt diese Technik übrigens nur, wenn die durch die Schichten vorgegebenen Schlaf/Wachzeiten auch an arbeitsfreien Tagen konsequent eingehalten werden. Dazu gehört natürlich auch ein planbarer Dienst- Schichtplan.
Noch schwieriger als für Nacht- und Wechselschichtarbeiter ist die Situation für Arbeiter in Rufbereitschaft, da sie keine Vorkehrungen zur Anpassung an bestimmte Schlaf/Wachzeiten treffen können. Für sie ist es besonders wichtig, stets ausgeruht zu sein. Kurze Nickerchen können hilfreich sein, wenn sich ein unregelmäßiger Schlaf-/Wachrhythmus aus beruflichen Gründen nicht vermeiden läßt.
Wichtig: Obwohl der Schlaf an einem Stück gesünder ist als der Schlaf in verschiedenen Etappen, sollten Schichtarbeiter, die am Tage keinen ausreichenden Schlaf finden, mit kurzen Nickerchen unzureichende Schlafzeiten ausgleichen und so die für einen erholsamen Schlaf erforderliche Gesamtstundenzahl erlangen. Kurze Schlafeinheiten zwischendurch können die Leistungsfähigkeit steigern, die durch unregelmäßigen Arbeitszeiten oftmals herabgesetzt ist.