Schlaflose Zeiten

Über viele Jahrtausende hinweg konnten wir Alle im Einklang mit unserer „inneren Uhr“ leben. Keine gesellschaftlich vorgegebenen Zeiten schrieben dem einzelnen Menschen vor, wann er zu schlafen hat. Das Schlafen war auch in der Öffentlichkeit noch präsent und die Nacht kannte Unterbrechungen für einen Plausch mit den Nachbarn.

Das ist in der modernen Welt mit Schichtarbeit, Fernsehen, Internet, Smartphones, langen Wegen zur Arbeit und ständiger Erreichbarkeit kaum noch möglich. Welche Konsequenzen hat dies für jeden Einzelnen von uns und für Dich persönlich?

Arbeit, Schule oder Studium – für viele von uns endet die Nacht abrupt mit dem unerbittlichen Klingeln des Weckers!

Viele von uns sind noch nicht ausgeschlafen, sind noch müde. Die Frage ist: „Warum gelingt es mir einfach nicht, abends früher ins Bett zu gehen, obwohl ich mir dies doch immer wieder morgens so fest vornehme?“

Die Antwort ist, du lebst vielleicht gegen deine innere Uhr oder du spielst zu lange Online Spiele ;-).

Spätaufstehr und Schlaf

Spätaufsteher haben es schwer in der Gesellschaft. Spätaufsteher/ Eulen haben einen schlechten Ruf. Es gilt doch: „Nur der frühe Vogel fängt den Wurm“ und „Morgenstunde hat Gold im Mund“. Besonders Jugendliche gelten häufig als undiszipliniert, lethargisch und matt. Sie kommen morgens trotz mehrerer Wecker nur schwer aus dem Bett. Die Gruppen von Jugendlichen die ich morgens auf dem Weg zur Schule sehe gleichen mehr Zombies als wachen menschlichen Wessen.

Achtung: Wir tun allen Eulen und Morgenmuffeln hier unrecht. Für die meisten von ihnen ist unsere Gesellschaft schlichtweg zu früh dran. Das Zeitkorsett der Gesellschaft passt nicht zur eigenen „inneren Uhr“, denn diese innere Uhr legt fest, wann wir schlafen können. Das heißt du möchtest schlafen kannst aber nicht weil deine innere Körperuhr noch auf wach gestellt ist. Der Versuch gegen den eigenen Körper zu arbeiten bezahlen wir mit einer oft bleiernen Müdigkeit.

Der Takt unserer inneren Uhr

Über viele Millionen Jahre hinweg lebten die Menschen in einem Rhythmus, der durch die Rotation unserer Erde bestimmt wurde. Die Jahreszeiten und der Auf- und Untergang der Sonne waren vorgegeben. Es gab kein künstliches Licht und die Nacht war ausschließlich zum Schlafen da. (Mehr zum Thema künstliches Licht und Schlaf gibt’s in eigenem anderen Blogbeitrag). Alle Lebewesen orientieren sich an diesem natürlichen Externen Rhythmus den die Erde uns durch ihre Bewegung, Rotation und das Magnetfeld vorgibt.

Die Existenz einer individuellen „inneren Uhr“ wurde erst Mitte der 1960er- Jahre durch die Bunkerversuche von Jürgen Aschoff und weiteren Mitarbeitern des Max – Planck – Instituts für Verhaltensphysiologie in Andechs entdeckt.

Versuchspersonen lebten in einem „Bunker“, einem unterirdischen Labor, in dem sie über mehrere Wochen hinweg vom Tageslicht und vom normalen Tagesablauf völlig abgekoppelt waren. Es gab weder Uhr noch Zeitung, Radio oder Fernsehen – keinerlei Zeitinformationen über die Außenwelt. Durch den Ausschluss aller äußeren Zeitgeber entwickelten die Versuchspersonen einen Schlaf-Wach – Rhythmus, der im Durchschnitt mit 24,5 bis 25 Stunden nur etwas Länger als die durch die Drehung der Erde vorgegebenen 24-Stunden – Tag war.

Taktgeber für den Schlaf

Eine eigenständige innere Uhr wurde so entdeckt. Dieser „inneren Taktgeber“ wurde über Millionen von Jahren jeden Tag durch den Aufgang und Untergang der Sonne gestellt. Heute bestimmt den Takt die Arbeit, der Kindergarten, die Schule oder unser Partner.

Zur Unterscheidung: Es gibt eine Innen- und eine Außenzeit.

  • Die Außenzeit wird bestimmt durch das soziale Zeitkorsett und durch den Hell-Dunkel-Rhythmus.
  • Die Innenzeit wird durch unseren Körper bestimmt. Genauer gesagt durch ein kleines Nervenzellbündel im Gehirn, den Nudeus suprachiasmaticus (SCN).

Was triggert unsere Innere Uhr?

Heute ist es weniger als früher die Sonne, die unsere innere Uhr jeden Tag neu stellt, als vielmehr unser sozialer Zeitgeber: Arbeitsbeginn, Schulbeginn, Mahlzeiten, Freizeitaktivitäten oder Netflix und Onlinespiele.

In den Bunkerexperimenten in Andechs, wurden viele physiologische Größen wie Hirnströme, Augenbewegungen, Muskelspannung und Körpertemperatur gemessen. Spanenderweise zeigte sich, dass die Versuchspersonen jeden Tag bis zu einer Stunde später schlafen gingen. Nach nur einigen wenigen Tagen lag der Schlafbeginn nicht mehr am Abend, sondern am sehr frühen Morgen. Es war für die Forscher eine überraschende Entdeckung: Die Menschen legten sich zu dem Zeitpunkt schlafen, an dem ihre Körperkerntemperatur kurz vor dem Minimum lag.

Das super spannende Ergebnis: Eine niedrige Körperkerntemperatur geht mit der höchsten Einschlafneigung einher. Viele von euch kennen das zum Beispiel aus dem Nachtdienst morgens wenn wir müde sind friert es uns, die Körperkerntemperatur ist auf Schlaftief.

Das Ergebnis der Studie erklärt auch, warum auf Autobahnen in den frühen Morgenstunden, wenn die Körperkerntemperatur ihr Minimum aufweist, die meisten tödlichen Unfalle infolge Sekundenschlafs passieren. Es sind diese frühen Morgenstunden die sehr gefährlich sind und eben nicht der Zeitpunkt, wo die Verkehrsdichte am größten ist.

Mondlicht von Schlafprojekte

Mondlicht am Meer und der Schlaf

Ich bin eine Eule

Wir ticken nicht alle gleich und nicht alle inneren Uhren laufen identisch: manche laufen schneller, andere langsamer. Aus dem Takt, die Diskrepanz zwischen der innerer Uhr und der Außenzeit. Gegen die Norm leben heist, die gesellschaftlichen Zeiten für Arbeit und Ruhe stehen im Widerspruch zu deinen biologischen Zeiten für Leistungsbereitschaft und Schlaf. Manche von uns müssen zu Zeiten arbeiten und Leistung bringen, in denen ihre innere Uhr auf Ruhe und Schlaf programmiert ist. Andere wiederum müssen schlafen, wenn sie gar nicht müde sind. Gehen die Uhren unterschiedlich, sind Innenzeit und Außenzeit nicht im selben Takt. Diskrepanz beschreibt immer eine Disharmonie zwischen zwei Systemen. Die Disharmonie stört unsere Regenerationsfähigkeit und es kommt zu Leistungseinschränkungen, psychischen und körperlichen Symptomen und einer erhöhten Sensibilisierung des emotionalen Systems.

Eine Lösung kann für mich New Work sein und ein späterer Schulbeginn.

New Work heißt für mich wir gestalten unsere Arbeits- und Lebenszeit aktiv mit.

„Die neue Art, Leben und Arbeiten zu verbinden.“ New Work ist der Inbegriff für diese Transformation. Die Auslöser für diese Entwicklung sind vielfältig doch der Vorteil ist für mich das sich Menschen ihrer Arbeits- und Lebenszeit selbst einteilen können. Die Digitalisierung, Konnektivität und Globalisierung sowie der demographische Wandel sind unter anderem die Treiber für den Wandel der Arbeitswelt. Die ausgeschlafene Gesellschaft ist eine der Zukunftswünsche die ich habe und wenn wir den Wandel in der Welt nützen könnten um wieder diese inneren und äußeren Taktgeber zu harmonisieren dann wären wir ausgeschlafener und glücklicher.

Möchtet Ihr noch mehr zu dem Thema Innere Uhr Wissen?