Volksleiden Schnarchen

Gastbeitrag von Dr. Jan Wrede

Ungefähr jeder zweite Erwachsene schnarcht.

Unter den Herren der Schöpfung sind es ca. 60 Prozent, die zumindest gelegentlich schnarchen. Aber auch unter den Damen sind mit 40 Prozent mehr Schnarcherinnen als man denkt. Das Schnarchen ist so häufig, dass es als gar nichts Besonderes mehr gilt. Dennoch gibt nicht jeder gerne zu, dass er durch die nächtliche Geräuschentwicklung den Bettnachbarn um den Schlaf bringt.

Schnarchen ist also ein sehr häufiges Problem. Doch eine einheitliche Definition ist gar nicht so leicht zu treffen. Denn das normale Schnarchen ist keine Krankheit im medizinischen Sinn. Zwar gibt es auch krankhafte Schnarchformen, doch die Meisten sind primäre, oder habituelle Schnarcher. Hier sind in der Regel erst einmal keine negativen Folgen für den Körper zu befürchten. Das heißt aber nicht, dass das Schnarchen kein Problem darstellen kann, denn vor allem der Bettpartner hat darunter zu leiden.

Schnarchen nervt

Schnarchen nervt

Wie kommt es überhaupt zu dem grunzend-schnaufenden Geräusch, das in Deutschland jede Nacht so viele um den wohlverdienten Schlaf bringt? Schuld daran ist vor allem die Tatsache, dass sich die Muskulatur im Schlaf entspannt. Das betrifft nämlich nicht nur die Muskulatur an Rumpf und Extremitäten, sondern auch jene Muskeln, die sich im Gaumen und Rachen befinden. Ist die Spannung dieser Muskeln herabgesetzt, ist auch das umliegende Gewebe schlaffer. Der Atemstrom ist nun in der Lage, beim Vorbeiströmen das schlaffe Gewebe in Schwingung zu versetzen. Diese Vibration macht sich dann in dem bekannten (und auch gefürchteten) Schnarchgeräusch bemerkbar.

Physiologisch betrachtet reduziert sich bei jedem Menschen im Schlaf die Muskelspannung. Doch warum schnarcht dann nicht jeder? Vor allem die individuelle Anatomie im Rachenraum entscheidet darüber, ob man zum Schnarcher wird oder nicht. Menschen mit Übergewicht haben zum Beispiel ein höheres Risiko zu schnarchen als Normalgewichtige. Denn das Mehr an Fett zeigt sich nicht nur an Bauch und Hüften, sondern lagert sich unter anderem auch im Rachenraum ab. Das bedeutet, dass bei schweren Menschen auch mehr Gewebe in den oberen Atemwegen vorhanden ist, dass leicht in Schwingung versetzt werden kann.

Die meisten Schnarcher bekommen von ihrem Schnarchen nur den gelegentlichen Tritt vom Bettnachbarn mit, der wegen der Geräuschentwicklung um den Schlaf gebracht wird. In extremen Fällen kann die Lautstärke 90 Dezibel erreichen. Das ist in etwa so laut wie ein vorbeifahrender LKW vor dem offenen Fenster. Laut Umfragen ist es jedoch meist nicht die Lautstärke, die den störenden Faktor ausmacht, sondern die stetige Konstanz des Schnarchens. Tatsächlich beobachtet man bei Partnern von starken Schnarchern, dass diese weniger erholsam schlafen, häufiger tagsüber müde sind und öfter unter psychischen Problemen bis hin zu Depressionen leiden. Das allein sollte dem Schnarcher Grund genug geben, etwas gegen sein Schnarchen zu unternehmen.

Atemwege bei Schnarchern

Atemwege bei Schnarchern

Was kann ich gegen mein Schnarchen tun?

Da das Schnarchen an sich keine Krankheit ist, hat die Medizin nicht allzu viele Mittel parat, um gegen das Schnarchen anzukämpfen. Doch schon einfache Maßnahmen helfen dabei, seine persönliche Wahrscheinlichkeit für das Schnarchen zu senken. Dazu zählt auch, bestehendes Übergewicht zu reduzieren. Denn wenn weniger Fettgewebe im Rachen ist, können sich die Vibrationen nicht so leicht entwickeln. Auch das eine oder andere Gläschen vor dem Zu-Bett-Gehen sollte vermieden werden. Alkohol sorgt nämlich dafür, dass sich die Muskulatur noch stärker entspannt.

Eine andere wichtige Maßnahme für erholsameren Schlaf und weniger Schnarchen ist die so genannte Schlafhygiene.Mehr dazu hier

Dabei geht es um ein gesundes Schlafumfeld und regelmäßigen Schlafrhythmus. Am besten geht man immer zu den gleichen Zeiten zu Bett und steht auch um die gleiche Uhrzeit auf – auch am Wochenende. Dadurch gewöhnt sich der Körper an den Schlaf-Wach-Rhythmus und schaltet zur gewohnten Zeit automatisch auf Stand-By. Das Schlafzimmer sollte ein entspanntes Umfeld und nicht zu viel Ablenkung bieten.  Deshalb sollte das Bett nur zum Schlafen und nicht zum Lesen, Arbeiten oder gar Essen genutzt werden.

Wenn man trotz Normalgewicht, Abstinenz und guter Schlafhygiene immer noch schnarcht, kann man mittlerweile aus einer großen Fülle an Anti-Schnarch-Produkten wählen.

Diese Hilfsmittel setzen an den unterschiedlichen Stellen an, an denen Schnarchen entsteht. Manche Menschen schnarchen zum Beispiel vor allem mit offenem Mund. Dafür gibt es spezielle Anti-Schnarch-Mundstücke aus Kunststoff, die verhindern, dass sich der Mund im Schlaf unbewusst öffnet. Für Schnarcher bei denen sich das Geräusch durch Engstellen im Nasenrachen entwickelt, gibt es Nasenspreizer, die den Atemfluss durch die Nase verbessern. Liegt das Schnarchen hingegen daran, dass im Schlaf die Zunge nach hinten in den Rachen sinkt, so ist eine Anti-Schnarchschiene die richtige Wahl. Meist ist es nicht leicht herauszufinden, welches der vielen verschiedenen Anti-Schnarch-Produkte das individuell passende ist. Hierfür gibt es einen Schnarch-Test, der dabei hilft, die Schnarchursache zu ermitteln und somit die beste Therapie anzuwenden.

Daneben gibt es viele verschiedene Ansätze, um das Schnarchen zu bekämpfen. Die beste Strategie zu finden ist nicht leicht, doch jeder Bettpartner wird für die wiedergewonnene Ruhe im Schlafzimmer dankbar sein.
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